Voice Search 2030

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Voice Search 2030

Voice Search 2030 – Einleitung

In den letzten 10 Jahren hat sich in der Technik enorm vieles verändert, die Einführung der Smartphones und damit den immer und überall verfügbaren Zugriff auf das Internet. Streaming Dienste sind salonfähig geworden, ebenso wie Cloud-Dienste. Dabei hat der Touchscreen die klassische Tastatureingabe bei Mobilgeräten abgelöst und die Sprachbedienung Einzug in den Haushälten erhalten. Natürlich noch sehr spärlich und vereinzelt. Aber die Sprachsteuerung oder die Suche per Sprachbefehl (auch Voice Search genannt) steht noch in den Kinderschuhen. Folglich braucht es keinen Propheten um zu erkennen, dass viele dieser technischen Entwicklungen weiter voranschreiten werden und damit immer mehr ins das Leben der Menschen einwirken werden. Passend dazu hat die Deloitte-Studie eine Prognose zum Thema Voice Search veröffentlicht. Diese geht davon aus, dass die Sprachsuche bis 2030 bei den Onlinekäufen einen Marktanteil von rund 50% einnehmen soll.

Status Quo 

Fakt ist, dass Sprachsuche und Sprachsteuerung heute schon möglich sind und auch genutzt werden. Man denke nur an Smart TVs, deren Programme sich mit der eigenen Stimme umschalten lassen oder die Suche von Google, die sich mit ,,Okay Google, was ist XY“ bedienen lässt. Die genannten Beispiele klingen erstmal vertraut oder kommen einen (unabhängig davon, ob man diese selbst nutzt) zumindest in den Sinn. Aber auch die Steuerung von Geräten zu Hause, wie etwa der Heizung, Lichtschalter, Lampen oder Küchengeräten erfolgt zunehmend über verschiedene Sprachassistenten. Aber es gibt noch mehr Möglichkeiten: im Auto können Navigationsgerät, Musikplayer oder selbst die Heizung mit Sprachbefehlen gesteuert werden. Und im Arbeitsleben bieten Büroanwendungen wie Sprache zu Text heute schon Anwendungsgebiete für die Sprachtechnologie.

Betrachtet man sich den weltweiten Verkauf von Smart Speakern (Lautsprecher mit Sprachassistenten) so bemerkt man insgesamt, trotz teils starken Einbrüchen, einen Zuwachs. Sprachtechnologie scheint also immer mehr voranzuschreiten und auch mehr akzeptiert zu werden. Doch einen kompletten Einkaufsvorgang, in dem man mit seinem Smart Phone, redet scheint da vielen noch befremdlich und eventuell sogar merkwürdig zu sein. Hingegen wird  vor allem in den USA zunehmend sprachgesteuert eingekauft. Zwar steckt Voice Commerce in Europa noch in den Anfängen, jedoch hat dieser neue Trend auch hier eindeutig das Potenzial den Handel zu revolutionieren.

Aussicht

Um noch einmal auf die eingangs erwähnte Studie zurückzukommen, Deloitte hat 4 mögliche Szenarien in Aussicht gestellt:

The new Internet

Hierbei wird davon ausgegangen, dass die Sprachanbieter ihre Techniken als Open Source anbieten. Entweder aus gesetzlichen Gründen oder strategischen und markttechnischen Gegebenheiten. Damit können die Händler und andere Anbieter diese Systeme ebenfalls nutzen und für sich anzupassen.

Age of heterogenic Alliances

Als weitere Möglichkeit bilden sich Allianzen von verschiedenen Sprachanbietern. Hauptsächlich entstehen diese um den dominanten Großfirmen zu trotzen und selbstständig eigene Lösungen anzubieten.

Old Europe

In diesem Szenario wird davon ausgegangen, dass die Sprachtechnologie an zu strengen Regularien bzw. Verboten scheitern wird oder nur sehr eingeschränkt zu Verfügung steht. Durch diese starken Einschränkungen können die Anbieter nur vereinzelt Lösungen anbieten, so lediglich Insellösungen bereitstellen. Diese wären dann so unattraktiv für die Nutzer, dass der Bedarf an Sprachlösungen äußerst gering wäre.

Stichwort Dash Button von Amazon. Mit diesen kleinen Geräten konnte man durch einen einfachen Knopfdruck ein bestimmtes Produkt über Amazon bestellen, was bei den Kunden wohl recht gut ankam, von der deutschen Verbraucherschutzzentrale per Gerichtsbeschluss verboten wurde. Hier fehlten der Hinweis für eine zahlungspflichtige Bestellung, als auch die Information zu welchem Preis man nun das entsprechende Produkt gekauft hatte. Zwar bekam man nach der Bestellung eine Benachrichtigung per E-Mail und war durch das Fernabsatzgeschäft geschützt (sprich zweiwöchentliches Umtauschrecht beim Einkauf im Internet), doch reichte dies nicht aus.

Amazon hatte seiner Zeit betont, dass die Gerichtsentscheidung nicht der Grund sei, weshalb die Dash Buttons vom Markt genommen werden. Aus welchen Gründen Amazon nun die Buttons eingestellt hat ist aber erstmal egal, denn es zeigt, dass gerade die EU und Deutschland sehr empfindlich sind und bestehende Gesetzlichkeiten sich ändern können und immer ein Risiko für Unternehmen darstellen.

Besonders die Bedenken der Bürger spielen eine entscheidende Rolle für die Akzeptanz der Sprachtechnologie. Folgende Grafik zeigt die größten Bedenken der deutschen Nutzer bezüglich der Sprachassistenten.

Gerade im englischsprachigem Raum spricht man von ,,German Angst“. Damit verbindet man die zögerliche politische, gesellschaftliche und technologische Entwicklung der Deutschen. Somit sei das Handeln von Vorsicht und Angst geprägt. Daher hat diese Studie wohl auch den Namen ,,Old Europe“ gewählt. Ob man diese Sorgen als gerechtfertigt ansieht oder als übertrieben ist unerheblich, denn keine Technologie wird erfolgreich sein, wenn sie vom Großteil der Bevölkerung abgelehnt wird. Fassen wir also zusammen: entweder scheitert in diesem Szenario die Sprachtechnologie an den gesetzlichen Schranken oder an der Ablehnung der Bürger.

World of Aggregators

Als letzte Möglichkeit bilden sich wenige Marktführer, welche als einzige auf Grund ihrer Stellung Sprachtechnologien anbieten. Somit sind allen anderen auf diese Systeme angewiesen und von diesen abhängig.

Auswirkungen

Aber wie so oft setzt sich eine Technik erst durch, wenn sie akzeptiert wird und einen Mehrwert bietet und sei es nur die Bequemlichkeit. Gerade hier könnte die Voice Search punkten, da man nicht umständlich auf seinem Mobilgerät etwas eingeben muss. Spinnt man das Ganze noch weiter, braucht es lediglich eine Smart Watch, die man um das Handgelenk trägt, eine kurze Ansage und schon ist etwas im Internet bestellt. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, wird sich kaum ein Unternehmen oder Händler diesem Megatrend entziehen können.

Sprich entgegen aller Bedenken werden sich Unternehmen und Händler auf diese Entwicklung einstellen. Um dabei konkurrenzfähig zu bleiben werden diese gezwungen sein ihre Produkte über die Sprachfunktion zum Verkauf anzubieten. Daraufhin wird auch bei den Konsumenten die Verwendung und Akzeptanz stark zunehmen, bis der Spracheinkauf genauso etabliert ist wie das ,,manuelle“ Onlineshopping. Somit wird nicht nur der Voice Commerce fest verankert sein, sondern die Sprachtechnologie als gesamtes.

Persönlicher Kommentar

Das sich Sprachtechnologien weiter entwickeln und immer vernetzter werden, ist für mich eine ganz klare Sache. Denn eins sollte klar sein, die Welt wird nicht auf Europa oder gar Deutschland warten oder Rücksicht nehmen. Selbst wenn in Europa Voice Commerce keine Rolle spielen sollte, werden andere Teile der Welt dies nutzen, denn einige nutzen es jetzt schon. Allerdings halte ich die Studie für etwas zu optimistisch. Der Spracheinkauf wird kommen, jedoch doch eher bei alltäglichen Produkten, die sich schnell ohne großen Aufwand oder Informationsbedarf bestellen lassen. Gerade Produkte, für die eine längere Kaufentscheidung nötig ist, werden rausfallen. Daher halte ich die genanten 50% Marktanteil doch für etwas zu hoch gegriffen.

Zusätzlich stellt sich mir die Frage, wie stark der Nutzer abhängig vom Algorithmus ist? Denn immerhin präsentiert dieser einem doch das Angebot. Selbst wenn der Sprachassistent mir verschiedene Angebote vorliest, lassen diese sich akustisch schlechter verfolgen, als wenn man diese optisch vor sich hat. Diesbezüglich gehe ich auch von einer starken Synergie von Sprachbefehlen und optischen Display (derzeit ja noch das Smartphone oder der Desktop Pc) aus.

Das könnte dann wie folgt aussehen:

..Okay Sprachassistent kaufe ,,Super Weiß – das Waschmittel!” ,sage ich und mein Display zeigt mir die entsprechenden Angebote.

Daraufhin bestätige ich dies mit: ,,Kaufe Angebot 2!” und der Sprachassistent erkennt dies dann und leitet alle weiteren Schritte ein.

Es ertön eine Meldung von meinem technischen Helfer: ,,Du kaufst ,,Super Weiß – das Waschmittel” für 2,99€ mit 500 ml.”

,,Achtung Zahlungspflichtig bestellen” ,ertönt ebenfalls und ich sage: ,,Bestätige Einkauf!” Und schon habe ich meinen Einkauf getätigt.

Unabhängig wie sich das ganze Thema entwickeln wird ist es doch sehr spannend und für viele ein interessantes Thema, deshalb habe ich es mir nicht nehmen lassen einen unserer Kollegen und Geschäftsführer zu befragen. Folgend also ein Paar der interessantesten Fragen an Christoph Mohr. Kurz zu seiner Person: Christoph Mohr verteilt als offiziell zertifizierter Trainer für Google Ads sein Wissen und ist einer der Mitbegründer unserer Damcon GmbH. Außerdem noch Herausgeber des Google Ads Videokurses, Autor von derzeit 2 Büchern und 3 eBooks. Im Online Marketing ist Christoph seit 2002 tätig. Er findet, SEA wird oft zu unrecht als ,,langweilig” und ,,unkreativ” bezeichnet.

Wer mehr Erfahren möchte darf  gerne auf seiner Webseite vorbeischauen:

https://www.christoph-mohr.com/

Interview

Nutzt du selbst Sprachbefehle? Und wie sinnvoll findest du diese aktuell?

Ja, aber ich nutze sie vor allem für Informationen – also „Wer, wie, was, warum, wo“.
Oder auch mal für die Nutzung des Ravensburger Spiels „Know“ 😉
Und manchmal im Auto, weil es schneller oder einfacher in der Bedienung geht als herumzuklicken – da ist aber auf jeden Fall noch Optimierungsbedarf.

Wo siehst du (auch in Zukunft) die größten Tücken beim Voice Commerce?

Die große Herausforderung wird sein, dass das System erkennen (und entscheiden) muss, was bestellt wird. Möchte ich bspw. einen „4er Pack AAA Batterien“ haben, bestellt er mir welche von Varta, Amazon Basics oder anderen Herstellern?
Wie gehen die Firmen mit Stornos um, bspw. wenn aus Versehen oder von Kindern im Haushalt bestellt wird?

Für wie wahrscheinlich hältst du das Szenario ,,Old Europe“ bei uns?

Was genau meinst du damit? Dass Europa in Bezug auf die Nutzung solcher Technologien im Vergleich zu den USA rückständig ist?
Sehe ich leider sehr oft so, die Vorbehalte gegenüber neuen Technologien, Funktionen den amerikanischen „Datenkraken“ (nur ein Zitat)-Unternehmen gegenüber ist sehr ausgeprägt. Das wird sich in den nächsten Jahren nicht ändern. Google und Amazon werden diesen Bereich dominieren.

Findest du die Aussage der Studie für zu optimistisch oder teilst du deren Meinung? (bis 2030 soll Spracheinkauf rund 50% des E-Commerce ausmachen)

Das halte ich für zu optimistisch. Das sagt mir aber mehr mein Bauchgefühl als es auf Fakten beruht (beruhen kann). Ich denke wir werden uns bei ca. 20% aller Transaktionen einpendeln.

Fazit

Welches der dargestellten Szenarien am Ende eintreffen wird ist natürlich schwer vorauszusagen. Aus heutiger Sicht scheint ,,World of Aggregators“ das wahrscheinlichste, beim dem jetzt schon Amazon, Google und Apple die großen Player sind. Diese werden dann den Markt so sehr dominieren, dass alle anderen Teilnehmer auf deren Technologien angewiesen sind. Auch ist es in Europa und somit auch bei uns gut vorstellbar, dass hier das Szenario ,,Old Europe“ eintritt.

Insgesamt jedoch ist sehr stark davon auszugehen, dass die Sprachsteuerung und Sprachsuche immer weiter vorangetrieben wird und dabei immer mehr Marktanteile gewinnen wird. Ob aber die 50% Marktanteil des Voice Commerce bis 2030 erreicht werden ist fraglich. Eher werden es bestimmte Produkte des Alltages sein, die man immer wieder braucht. Also all jene Produkte die nicht beratungsintensiv sind.

Egal wie genau sich das Thema entwickeln wird: Unternehmen und Händler sollten sich mit Sprachtechnologien auseinandersetzten, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Denn im schlimmsten Fall werden diese sonst von den Mitbewerbern überholt.

Wenn uns die Geschichte eins lehrt: Technologien die zu Beginn belächelt wurden, haben sich dann doch sehr häufig durchgesetzt.

2019-10-28T09:31:14+01:0025. Oktober, 2019|News|

Über den Author:

Jan Fölz ist seit 2018 als Junior Digital Marketing Consultant bei der Damcon.